§ 35. 36.]               Die Consonanten.                     21

fliuch, sprech, brech, auch gench (zu gunga gehn), brench (zu
brendza bringen).

3. s und z. Wie ae. ist s sehr häufig, z (= ts, ds)
sehr selten: si̯ā sehn, lesa lesen; selten geminiert: kessa
küssen, lessa Comp. (ae. lǣssa) ; enze Unze, erzebiscop Erzbischof,
onzere Antwort.

Anm. Beachte: thredzia Verwandtschaft 3. Grades (== aus
thred-knia, thredkia, threggia), woraus wohl das rätselhafte sia Verwandter
(nur in der Verbindung thredda sia) losgelöst ist; thetze
(== thet se), li̯ātze (== li̯āt se) betrügerisch seist.

§ 36. Velare und Palatale.

Im Ae. besteht, in der Schrift nur unvollkommen
unterschieden, velares und palatales c (k) und g (ȝ) nebeneinander,
indem die Palatale anlautend vor primären
Palatalvokalen und den Diphthongen ēa, ēo (īo), inlautend
vor altem i, j eingetreten sind. Für das Urfries, ist dieselbe
Scheidung anzunehmen, d. h. palataler Charakter
vor den primären Palatalvokalen e, ē, i, ī und vor ia, iu
(nicht vor ā == ae. ēa), sowie inlautend vor altem i, j.

1. ae. c.

a) velares c, im Fries, c und k geschrieben: kessa
küssen, komp Kampf, spreca sprechen, hocka Haube, hnecka
Nacken, thi̯ucke dick;

b) palatales c, im Fries, assibiliert, geschrieben tz,
ts, sz etc., in R. anlautend sth: szetel (tsetel) Kessel, szinbaca
Kinnbacken, tsīwe Streit, zi̯āke (sthi̯āke) Backe, tzi̯ūst Pelz,
sz(i̯)urke (sti̯ūrce, tsi̯urike, sthereke) Kirche; inlautend: etzil
(itsil) Sporn, lētza Arzt, alterlētzen Altartuch (laken), sprē(t)ze
(neben sprēke) Sprache, wītsing Wiking. Die Assibilierung
ist auf manche Fälle ausgedehnt, wo im Ae. Gutt. herrscht,
zumal auf starke Participia (vor altem -in?): ebretsen gebrochen,
spretzen gesprochen, stetsen gestochen, estritzen gestrichen,
letzen von -lūka (aber R. nur ebreken, bileken), dītsi̯a
deichen (R. dīka} etc., vgl. auch thredzia aus thred knia;

c) sc, im Ae. auch vor gutt. Vok. palatalisiert, im