16                          Lautlehre.                   [§ 29. 30.

1. Der Vokal des schwach betonten Präfixes schwindet
vor Vokal: binna, būta bova, befta (== be innan etc.), neth
(== ne heth), nebbe (== ne hebbe), nis == ne is, nel (== ne wel)
will nicht etc.

Das Präfix bleibt durch Analogiewirkung: eivenad,
bierwed zum Erben eingesetzt, to biākane vergrößern.

2. Kontraktion. Betonter Vokal + tonloser Vokal
wird zu langem Vokal oder Diphthong kontrahiert: tār (ae.
tēar) Zähre, fi̯ā (ae. fēo) Vieh, swi̯ār (ae. swēor) Schwäher,
hi̯ū (ae. hīo, hēo) sie, scō (ae. scō) Schuh.

Anm. 1. Auffallend trē Baum, hlī Schulz, knī Knie == ae.
trēo, hlēo, cnēo.

Anm. 2. Unkontrahiert bleibt ī und ū in wgerm. ūwa, iuwa,
z. B. būa bauen, sīa (goth. siujan) nähen (aber du̯ā thun, si̯ā sehn).

IV. Vokale der End- und Mittelsilben.

§ 30.   1. Das vokalische Auslautsgesetz des Ae.
gilt auch für das Urfries., vgl. bite (ae. bite) Biß, sunu
(ae. sunu) Sohn, ende Ende (ae. ende), dēl (ae. dǣl) Teil etc.

2. a wie ae. = wgerm. o = germ. au und ō (*ōn):
achta (ae. eachta, goth. ahtau), hona (ae. hona, ahd. hano);

e wie im Ae. == wgerm. a == germ. nasal. ō: tunge (ae.
tunge, ahd. zunga);

a wie ae. im Ind. Prs. der schw. Vb.: klagath (3. Sg.),
folgiath (Pl.);

-ad(e) wie ae. (neben -ode) im Prt. und Part. Prt. der
schw. Vb. II. Cl.: makade, emakad.

3. Noch zu erkennen ist im Fries, auch die ae.
Hauptregel über die Vokalsynkope der Mittelsilben (welche
nach kurzer Wurzelsilbe oder bei durch Position geschütztem
Mittelvokal nicht eintritt): vgl. ae. Genitive wie
engles, deōfles, ōþres. aber staþoles, nacodes etc.; afries. anglon
D. Pl., di̯ōwle, ōthrum, aber evele, pilugrimon etc. (auch
di̯ōvele, ēdila Großvater, gewöhnlich ōthere etc.). —

4. -a == ags. -a und -an gemeinfries. erhalten: makia,