14                        Lautlehre.                 [§ 25—27.

V. ae. īe (Umlaut von ēa == *au == afries. ā) == ē
(offen): bēcen Signal, hēra hören, lēsa verlieren (goth.
lausjan), orlēf Urlaub, (be)nēda nötigen, skēne schön, hū-lēde
wie groß (*lauðio), rēr Rohr, dēpa. taufen (ae, dōpean), stēta
stoßen, ābēl Geschwulst, dēya dulden (as. dōgian mit ō
== *au).

Vor w unterbleibt der Umlaut: to āuwande. (ae. īewan
vermehren), ā(r)bere offenbar, gāsthereke Gaukirche, hāwerf
== Heuwerf.

VI. ae. ǣ (Umlaut von ā == *ai und ǣ == wgerm. ā)
== ē das sich von dem nicht umgelauteten ē = *ai, wgerm.
ā nicht trennen läßt. —

§ 26. u (w) Epenthese.

Durch Epenthese von u, v, w der folgenden Silbe
wird i zu iu.

a) Durch folgendes w; vor ng, nk: di̯unck dunkel
(*dinkw), thi̯ucke Dicke (*thi(e)kwī) si̯unga singen (goth.
siggwan).

b) Hierher vielleicht auch (mit i̯ū): ni̯ūgun, -en, -in
== 9; ni̯ūgunda, -enda, -inda == 9te; ni̯ōgen etc. und daneben
nigun, nigunda in R.

Durch Analogie von ni̯ūgun auch si̯ūgun, -unda etc.
(R. sigun), daneben sogenten BHE. Dagegen hnigun Prt.
Pl. erhalten durch Systemzwang.

Anm. Der ae. Palatalumlaut fehlt ebenso wie die Diphthongierung durch Palatale.

§ 27. Dehnung.

1. Wie ags. findet Ersatzdehnung von a, e, i, o, u
für ausgefallenen Nasal vor Spirans statt, vgl. sūth Süden;
ebenso Dehnung ursprünglich kurzer Vokale im Auslaut
einsilbiger Wörter, wenn Tollbetont: thū, thī, hwā.

2. Kurzer Vokal. vor rr (*rr, *rz, *rn) ist gedehnt
unter Vereinfachung des Consonanten: fīr fern, Comp.
fīror, -er (goth, fairra), fīringe Raub (an. firring); īre zornig
(ae. yrre), scīre Geschirr, thēre Darre.