§ 16—19.]               Die Vokale.                        9

§ 16. ae. ī == ī: bīta beißen, grīpa greifen, hwīla
weilen, hwīt weiß; īdle eitel, unnütz, īs Eis, wīthe. Reliquie
(vgl. ahd. wīhida).

Hierher auch fīf == 5 mit ī durch Ersatzdelinung.

§ 17. ae. ō == ō: blōd Blut, bōc Buch, bōte Buße,
brōther Bruder, flōd Flut, hōd Hut, hōp Reif, rhōf Dach, —
dōc Tuch, lōg Ort, mōs Mus, stōr groß; vor Nasal wie
ags.: sōn bald, nōmen; durch Ersatzdehnung: brōchte
brachte, ōther anderer; o + a == u̯ā, wā: du̯ā, dwā thun
(ae. dōn, anordh. dōa).

§ 18. ae. ū == ū: brūka brauchen, tūn Zaun, thūsend
1000, hūs Haus, (bi)slūta schließen, thūma Daumen, skūra
schieben, būta draußen, fugelscūle Vogelhaus (scūl Schutz);
Rūme, rūmfara, -farand Romfahrer, auch kū Kuh, hū, wie
(ae. (cū, hū).

Hierher auch ū durch Ersatzdehnung in MS, in ūs, cūth bekannt,
thūchte däuchte.

§ 19. ae. ā (== urgerm. ai) == ā und e.

Das Prinzip der Verteilung von ā und ē ist noch
nicht genügend aufgeklärt; kaum richtig ist v. Heltens
Ansicht, daß ā die ursprüngliche und eigentliche Entsprechung,
ē der i-ümlaut, der durch Analogie weiter
gedrungen sei.

I. ā (nach Siebs) in offener Silbe vor dunklem Vokal
der Folgesilbe (zumal vor w und g): ā (*aiwa) == Recht in
Zusammensetzungen (ā-sega, ā-frethe āfte), āgun, -on sie
haben, aber auch āch, āchte; fād Falschmünzerei (*faihōduz),
tāne (*taihōn-) Zehe, fāch (*faiga-) reus, wāch Wand (goth.
waddjus), gād Bedürfnis (goth. gaidw), āthum, -om Eidam; frāse
Gefahr (*fraisō), lāve (ags. lāf, laiƀō) Hinterlassenschaft,
dazu to lāwiane, mā, mārra, māst, nā nein, thā Demonstr.

Nach w: twā 2, wāse Schlamm (anord. weisa), dazu
wāsich Adj., wang, und sat. wōk weich (*wāk afries.).

II. ē (offen) in geschlossener Silbe vor einfachem Cons.:
bēn Sb. Bein, dēl Sb. Teil, ēth Eid, gēr in etgēr, gērgeve,