8                           Lautlehre.                  [§ 13—15.

§ 13, ae. u == afries. u: burg Burg, lust Lust, durun
Thüren, but(h)ere Butter, fugel Vogel; vor gedecktem Nasal:
hunger Hunger, sunne Sonne; vor einfachem Nasal: hunig
Honig, munek Mönch, sumur Sommer, unat wohnt, cuma
kommen.
Wahrscheinlich frühe Dehnung: hund, grund, bunden
== Hund etc.

Durch Analogie u für o in den P. p.: gulden (ver)golten,
sturuen gestorben, wrpen. geworfen, wrden geworden etc.

II. Die langen Vokale.

§ 14. wests. ǣ, angl. ē (wgerm. ā) == afries. ē.

Im heutigen Saterld. und den nordfries. Küstenmundarten
ist dies ē mit ē === *ū-i, *ō-i zusammengefallen,
dem gegenüber sich ē == *ai, *ai-i zu dem Umlaut von
ā == *au stellt; für erstere Gruppe ist demnach im Altostfries.
geschlossenes ē anzunehmen, für letztere offenes ē.
In den heutigen westfries. Dialekten sind alle ē-Laute
zusammengefallen (wie im Kent.?); für diese läßt sich
also alte Scheidung nicht erweisen.

bēre Bahre, brēda braten, dēd(e) That, ēthma Atem,
i̯ēve Adj. gäbe, i̯ēr Jahr, i̯ē ja, lētza Arzt, mēte Maß, nēthe
Gnade, rēd Rat; selten ā (in deutschen Lehnworten): bāre
Bahre, nāthe Gnade, āpāl Wasserbake, wāpen Waffe.

ē + a == i̯ā: ni̯ār (ae. nēar, as. nāhor) näher, ti̯ā
Dat. Sg. Masc. (vgl. goth. tēwa st. Fem.) Reihe.

§ 15. ags. ē {== wgerm. ē) == ē (ī): hēt, lēt, lēten
hieß, ließ etc., brēf Brief, Crēklond Griechenland, prēstere
Priester, stets ī vor r in hīr hier.

ī (statt ē) in R.: hīt, hīton, līt, mīde Lohn, hīlde, -on;
wīlde, -on zu halda, walda; (aber bei Kürzung in R. steht ē:
heng hing, feng fing, ben, bennon zu bonna bannen, forifelle
zu falla).

Wie aus dem Übergänge zu ī in R. hervorgeht, muß
der Laut dieses e sehr geschlossen gewesen sein.