§ 3. 4.]                   Allgemeines.                         3

io (iu), doch zeigt auch das Akent. noch ia (allerdings
neben io, eo); das charakteristische ie ist den ae. Dialekten
gänzlich fremd, ebenso wie dem Afries.

2. Der i-Umlant der Brechung ea vor l, h, r + Cons.
heißt wests. ie; dem Afries, entspricht das Akent, mit æ
schon besser, das Angl. mit æ, vor l und h + Cons. (afries. a),
(e vor r + Cons. (afries. e) aber genau.

ws. ieldra, kent. æ, angl. æ, älter, afries. alder Eltern.
ws. ierfe, kent. æ, angl. e Erbe, afries. erue.

3. Für wests. -ode, -od (älter -ude, -ud, selten -ade, -ad)
bei dem Prt. und P. pf. der schwachen Verba II. Klasse
erscheint kent. und besonders ausgeprägt angl. -ade, -ad
wie im Afries.

wests. macode, kent. angl. macade, afries. makade machte.

4. Die me. Ordinalia threttēnde, fiftēnde (= 13te etc.)
herrschen in Kent und dem ganzen Osten, dagegen fiftēþe etc.
(== ae. -tēoþa) auf sdwestl. (früher wests.) Gebiet. Die Herleitung
von me. -tēnde aus anord. -tāndi ist unwahrscheinlich
und für Kent ausgeschlossen, während afries. -tēnde
genau entspricht.

§ 4. Das Afries. scheint seinem sprachlichen Charakter
nach zwischen dem Angl. einerseits und dem Kent.
(+ Wests.) andrerseits zu stehen, denn es geht in den
meisten Punkten mit dem Angl. zusammen gegen das
Kent., mit dem es aber durch andere Gemeinsamkeiten
(zumal ē̆ == ū̆-i) unlösbar verknüpft ist.   Das Kent.
(+ Wests.) mit a vor Nasalen 1) stellt sich zum Westfries.,
das Angl. mit streng durchgeführtem o vor Nasal zum
Ostfries. Die eigentümliche Stellung des Fries, ist von
größter Wichtigkeit für die immer noch ungelöste Frage
nach der Heimat der ae. Stämme, hat aber in dieser
Hinsicht noch nicht die gebührende Beachtung gefunden. —

1) Stellenweises, zumal im 9. Jahrhundert auftretendes, o vor
Nas. im Wests. und Kent. erklärt sich wohl durch angl. Beeinflussung.
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