2                        Allgemeines.                   [§ l—3.

afries. sprētze Sprache, ae. lecgan (me. leġġen), afrz. ledsa
legen.

ae. gieldan (ne. yield), afries. i̯elda gelten.

b) Silbenauslaut g nach Palat. geht im Me. allgemein
(und z. T. schon im Ac.) in i über, ebenso wie im Afries.:

ae. weg, später weig, me. wey, ne way, afries. wei Weg.

4. a) a statt wgerm. o == unbetontem *au, *ō: ae.
eachta, afries. achta (ahd. as. achto) acht, hona (ahd. as.
hano) Hahn.

b) e statt wgerm. a == gerrn. ōn: tunge (ahd. as. tunga)
Zunge.

5. Zusammenfall der 3 Personen des Plurals des Verba
(ahd. und anord. geschieden) findath Prs. Ind. finden etc.,
hulpon Prt. Ind. halfen.

Anm. Das As. teilt einige der obigen Eigentümlichkeiten
oder zeigt wenigstens Spuren davon, vgl. besonders 2 a und d,
sowie 5.

§ 2. Das Ae. und Afries. trennen sich

1. in der Entwicklung der alten Diphthonge ai, au,
eu, die man daher für die Gemeinstufe als noch wenig
oder gar nicht verändert ansetzen muß.

*ai == ae. ā, afries. ē>ā,

*au == ae. ēa, afries. ā (im Ostfries, zu ō-Lauten, im
Westfries, zu ē-Lauten weiter entwickelt),

*eu == ae. ēo, afries. ia.

2. Durch die w-Epenthese in Fällen wie si̯unga singen
(got. siggwan, anord, syngva); im ae. singan ist w wie
auch sonst spurlos geschwunden.

3. Afries: -ar gegenüber ae. -as im N. A. Pl. der o-
Stämme: afries. keningar, ae. cyningas.

§ 3. Das Afries. zeigt engere Verwandtschaft zu den
ae. Dialekten als zu der wests. Schriftsprache.

Afries. ia und sein i-Umlaut iu (io) steht den ae. Dialekten
näher als dem wests. ēo und dem Umlaut īe; am
reinsten entspricht das altnordh. ea mit seinem Umlaut