Vorwort.
Die altfriesische Sprache, welche so spt in die Literatur
eintritt und so frh daraus verschwindet, bildet in
ihrer merkwrdig altertmlichen Gestalt schon an sich
des Interessanten genug; doch weit hinaus ber die Bedeutung,
die ein vereinzelter frh eingeengter germanischer
Dialekt mit drftiger und wesentlich juristischer Literatur
beanspruchen drfte, hebt diesen seine enge Verwandtschaft
zu dem Englischen. Die geschichtliche Entwicklung
hat die angelschsischen und friesischen Stmme
schon frh auseinandergerissen, so da sptere gegenseitige
Beeinflussung nicht mglich war; was also durch Vergleichung
als beiden gemeinsam gefunden wird, im Gegensatz
zu den anderen westgermanischen Dialekten, stellt
uraltes Sprachgut dar, wie es vor der Trennung im 5. Jahrhundert
fr die ingvonischen (ingviaivischen) Vlkerschaften
charakteristisch war.
Das Studium des Afries. hat in den letzten Jahren
einen erfreulichen Aufschwung genommen; in weitere
Kreise ist es aber noch immer nicht gedrungen, da es an
bequemen Hlfsmitteln zur ersten Einfhrung vollstndig
fehlt. Vor allem steht auch die Anglistik der jngeren
Schwester im groen und ganzen noch fremd gegenber,
obgleich eine nhere Verbindung gerade fr diese in jeder
Weise befruchtend sein wrde, obgleich beispielsweise das
Rtsel der kontinentalen Heimat der angelschsischen
Stmme nur vom Fries. aus gelst werden kann.
